Chronik Neujahrsempfang 2018

Der nachfolgende Artikel berichtet über den gemeinsamen Neujahrsempfang der 3 Rotary Clubs Schwetzingen-Walldorf, Schwetzingen-Kurpfalz und Hockenheim und wurde am 18.01.2018 in der Hockenheimer Tageszeitung veröffentlicht.

PALAIS HIRSCH: DIE DREI ROTARY CLUBS DER REGION FEIERN NEUJAHRSEMPFANG / PROFESSOR DR. ROBERT ZINSER SPRICHT ÜBER FAMILIENPLANUNG IN AFRIKA

„Es ist an der Zeit, mit Tabus zu brechen“

Der Neujahrsempfang von drei regionalen Rotary Clubs fand zum zweiten Mal im Palais Hirsch statt. Präsidentin Beate Becker vom Rotary Club Schwetzingen-Kurpfalz, gegründet 2005, Präsidentin Nadine Dusberger vom ebenfalls 2005 ins Leben gerufenen Rotary Club Hockenheim und Ralph Salomon, derzeit Präsident des seit 1977 bestehenden Rotary Clubs Schwetzingen-Walldorf, begrüßten gemeinsam die rund 50 Rotary-Freunde.

Die Auftaktveranstaltung für 2018 stand unter dem Jahresmotto „Be the inspiration – Sei die Inspiration“, welches der neu ins Amt gekommene Präsident von Rotary International, Barry Rassin, gerade beim internationalen Treffen in San Diego bekanntgegeben hat. Gastredner im Palais Hirsch war Professor Dr. Robert Zinser vom Rotary Club Ludwigshafen-Rheinschanze, der über seine Arbeit zur Regulierung der Bevölkerungsentwicklung referierte.

Der ehemalige Spitzenmanager bei der BASF gründete 1996 die deutsche Sektion der Rotarian Action Group for Population & Development (RFPD) und kümmert sich seither um Projekte zur Familienplanung und zur Gesundheit von Mutter und Kind in Afrika und Asien. Vergangenes Jahr wurde der 91-Jährige mit dem Großen Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die RFPD setzt sich für Familienplanung und Geburtshilfe ein und ist weltweit die größte „Action Group“ der Rotarier.

Klimawandel als Fluchtursache
Die Weltbevölkerung wachse nahezu ungebremst, führte Zinser aus, von derzeit sieben Milliarden auf geschätzte 9,7 Milliarden Menschen im Jahr 2050. Bis 2100 könnten es sogar 13,3 Milliarden werden. Allein für Afrika prognostizierte Zinser bis dahin eine Vervierfachung der Bevölkerungszahl auf 4,4 Milliarden. Niger, Mali, Somalia und Tschad seien die Staaten mit dem höchsten Bevölkerungswachstum, belegte er anhand von Zahlen. „Eine massive Familienplanung mindert die Fluchtursachen vor Ort“, plädierte Zinser. Der Klimawandel in den bevölkerungsreichsten Gegenden lasse die Menschen aus diesen Gebieten fliehen. Ein rasantes Bevölkerungswachstum begrenze die Möglichkeiten von afrikanischen Staaten, höhere Pro-Kopf-Einkommen zu erzielen und die Wirtschaft in Gang zu bringen. Der Zugang zu Gesundheit, Bildung und Ausbildung müsse dringend ausgebaut werden. Es sei endlich an der Zeit, mit Tabus zu brechen und den Menschen in Afrika und Asien Zugang zu Familienplanung mittels Aufklärung und Kontrazeptiva zu verschaffen, zitierte Zinser Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und verwies auf den angedachten „Marshallplan“ als ein Investitionsprogramm für Afrika: „Wenn wir weitermachen wie bisher, haben die Menschen in vielen Teilen Afrikas gar keine andere Chance, als sich zu uns auf den Weg zu machen.“

Die RFPD habe ein Pilotprojekt zur Familienplanung in Pakistan initiiert, das so auch in afrikanischen Ländern greifen werde. „Helfen Sie mit, den Teufelskreis von Armut und Bevölkerungswachstum zu durchbrechen, ohne unsere Hilfe geht es nicht“, appellierte Zinser. Mit Projekten zur Familienplanung könnten Länder in Afrika mit einer „demografischen Dividende“ sich selbst helfen. Eine globale Rotary-Allianz könne das Problem des Bevölkerungswachstums lösen, bat Zinser um die Verwendung von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die Präsidenten der drei Rotary Clubs überreichten ihm einen Scheck über 4000 Euro. Viel Beifall und einen Kino-Gutschein erhielt Eric Simon Haspel von der Musikschule Südliche Bergstraße in Wiesloch. Das zwölfjährige Nachwuchstalent überzeugte am Klavier unter anderem mit Beethovens „Für Elise“. vw

© Schwetzinger Zeitung, Donnerstag, 18.01.2018

Die Präsidentinnen Nadine Dusberger (von links) und Beate Becker sowie Präsident Ralph Salomon begrüßen den Festredner Professor Dr. Robert Zinser. © Bild Lenhardt